Thema: Lernen wir daraus, wie die Israeliten mit anderen Nationen umgingen
Wenn jemand aus unserer Familie unseren Glauben nicht teilt, möchten wir seine Zuneigung bewahren, ohne unsere Freundschaft mit Jehova zu schwächen. Doch dieses Gleichgewicht zu halten ist nicht immer leicht, besonders wenn man uns unter Druck setzt oder unsere Entscheidungen kritisiert. Die Beziehung Israels zu einigen Nachbarn hilft uns zu verstehen, wie wir das schaffen können. Diese Völker waren mit den Israeliten verwandt, trotzdem kam es zu schweren Konflikten. Ihre Geschichte lehrt uns, standhaft zu bleiben und gleichzeitig Liebe zu zeigen.
Beginnen wir damit, uns vor Augen zu führen, wer die Ammoniter, Moabiter und Edomiter waren. Sie waren keine Völker, die mit Israel nichts zu tun hatten. Sie hatten gemeinsame Vorfahren und teilweise auch eine gemeinsame Geschichte. Wenn wir daher lesen, was Jehova über sie sagte, sollten wir diese Verwandtschaft im Sinn behalten. Ihre Taten betrafen nicht einfach irgendwelche Nachbarn, sondern Menschen, mit denen sie familiäre Bindungen hatten. Lesen wir, wie diese Nationen in Hesekiel, Kapitel 25, Vers 2, 8 und 12, erwähnt werden.
Hesekiel 25:2,8,12 — „Menschensohn, richte dein Gesicht auf die Ammonịter und prophezeie gegen sie. Das sind die Worte des Souveränen Herrn Jehova: ‚Weil Mọab und Sẹir gesagt haben: „Seht! Das Haus Juda ist wie alle anderen Völker“, Das sagt der Souveräne Herr Jehova: ‚Ẹdom hat sich gegenüber dem Haus Juda rachsüchtig verhalten und hat große Schuld auf sich geladen, als es an ihm Rache genommen hat.
Diese Verse nennen die Nationen und zeigen, welche Einstellung sie gegenüber Juda hatten. Um besser zu verstehen, wie schwerwiegend diese Einstellung war, denken wir an ihre Herkunft. Die Ammoniter stammten von Lot ab, dem Neffen Abrahams, und zwar durch dessen jüngere Tochter. Wegen dieser Verwandtschaft hatte Jehova den Israeliten geboten, nicht gegen Ammon in den Krieg zu ziehen. Die Ammoniter erwiderten diese Rücksicht jedoch nicht: Zu verschiedenen Zeiten verbündeten sie sich mit anderen Völkern, um Israel anzugreifen oder zu unterdrücken.
Auch die Moabiter stammten von Lot ab, aber durch dessen ältere Tochter. Jehova hatte den Israeliten ebenfalls gesagt, sie sollten nicht gegen Moab in den Krieg ziehen. Trotzdem beauftragte der moabitische König Balak Bileam, Israel zu verfluchen, als es auf dem Weg ins verheißene Land war. Später brachte man die israelitischen Männer auf Bileams Rat hin dazu, sexuelle Unmoral zu begehen und Götzendienst zu treiben. Verwandtschaft garantierte also keinen guten Einfluss.
Die Verbindung zu Edom war noch enger. Die Edomiter stammten von Esau ab, dem Zwillingsbruder Jakobs. Jehova beschrieb ihr Verhältnis zu Israel als das von Brüdern. Als Jerusalem jedoch zerstört wurde, freuten sie sich über das Leid ihrer Verwandten. Sie versperrten sogar die Fluchtwege, um die Flüchtenden gefangen zu nehmen und dem Feind auszuliefern. Jetzt verstehen wir besser, warum Jehova die rachsüchtige Haltung Edoms, von der wir gerade gelesen haben, als so schwerwiegend betrachtete.
Was lehrt uns dieser Gegensatz? Jehova forderte Israel auf, familiäre Bindungen zu respektieren, auch wenn diese Nationen nicht immer freundlich handelten. Der richtige Umgang sollte nicht davon abhängen, ob man das Gleiche zurückbekam. Gleichzeitig durfte man Verwandtschaft nicht mit geistiger Sicherheit verwechseln. Diese Unterscheidung bereitet uns auf eine weitere wichtige Lehre vor: Das Verhalten einer Nation bestimmte nicht unbedingt, wie jeder Einzelne ihrer Bewohner war.
Bevor wir über diese individuellen Unterschiede nachdenken, achten wir darauf, was Jehova bei den Ammonitern beobachtete. Es ging nicht einfach darum, dass sie keine Hilfe geleistet hatten. Sie hatten Freude am Leid Israels zum Ausdruck gebracht. Ihre Einstellung hilft uns zu verstehen, wie schmerzlich die Feindseligkeit von Verwandten sein kann. Sie zeigt auch, dass Jehova darauf achtet, wie man sein Volk behandelt. Lesen wir Hesekiel 25:6.
Hesekiel 25:6 — „Denn das sagt der Souveräne Herr Jehova: ‚Weil du in die Hände geklatscht und mit den Füßen gestampft und dich so unglaublich hämisch über das Land Israel gefreut hast,
Jehova sah ihre Gesten und die Verachtung, die sie zum Ausdruck brachten. Bedeutet das aber, dass alle Menschen dieser Nationen seine Feinde waren? Nein. Zelek, ein Ammoniter, und Jitma, ein Moabiter, gehörten zu Davids starken Kriegern. Und Ruth, die ebenfalls Moabiterin war, begann Jehova treu anzubeten. Diese Beispiele erinnern uns daran, dass die Herkunft eines Menschen nicht festlegt, wie er sich in Bezug auf den Dienst für den wahren Gott entscheiden wird.
Denken wir darüber nach, was das für uns bedeutet. Wenn ein Angehöriger unseren Glauben verspottet, könnten wir zu dem Schluss kommen, dass er sich niemals ändern wird. Vielleicht nehmen wir auch an, dass eine ganze Familie gleich reagieren wird, weil sich eines ihrer Mitglieder dagegenstellt. Die Beispiele von Zelek, Jitma und Ruth helfen uns, solche Schlussfolgerungen zu vermeiden. Jeder kann selbst entscheiden. Wir wissen nicht, wer letztlich zuhören und Liebe zu Jehova entwickeln wird.
Deshalb sollten wir trotz schmerzlicher Ablehnung die Hoffnung nicht aufgeben. Wir können weiterhin respektvoll sein und echtes Interesse an unseren Angehörigen zeigen. Wir müssen ihre Glaubensansichten nicht gutheißen, um sie zu lieben. Und wir müssen auf ihre Äußerungen nicht schroff reagieren, um unseren Glauben zu verteidigen. Wie können wir diese Zuneigung jedoch mit der nötigen Standhaftigkeit verbinden, um unsere Freundschaft mit Jehova zu schützen?
Die erste Vorsichtsmaßnahme besteht darin, nicht unvorsichtig zu werden. Als die Israeliten zuließen, dass die religiösen Bräuche ihrer Verwandten ihr Leben beeinflussten, hatte das schlimme Folgen. Die Anbetung des moabitischen Gottes Baal von Peor ist ein Beispiel dafür. Auch wir könnten versucht sein nachzugeben, um jemandem, den wir lieben, entgegenzukommen. Vielleicht sagt diese Person, es sei doch nicht schlimm, nur einmal an einem bestimmten Fest teilzunehmen. Aber familiäre Zuneigung macht etwas, was Jehova missbilligt, nicht annehmbar.
Ein Angehöriger könnte beispielsweise darauf bestehen, dass wir einen Geburtstag feiern oder an einem religiösen Brauch teilnehmen. Vielleicht meint er es gut und versteht unsere Haltung nicht. Wir können ihm ruhig erklären, dass wir ihn lieben, unsere Entscheidung aber aus dem Wunsch heraus treffen, Jehova treu zu sein. Wir können auch andere Gelegenheiten suchen, Zeit miteinander zu verbringen oder ihm unsere Zuneigung zu zeigen. So machen wir deutlich, dass wir einen Brauch ablehnen, nicht aber die Person, die uns dazu einlädt.
Eine weitere Lehre besteht darin, Streit zu vermeiden. Jehova hatte Israel geboten, nicht gegen seine Verwandten in den Krieg zu ziehen, und auch wir möchten nicht ständig mit unseren Angehörigen streiten. Wenn jemand eine verletzende Bemerkung macht, müssen wir nicht genauso reagieren. Wir können ruhig sprechen oder das Gespräch auf einen entspannteren Zeitpunkt verschieben. Einen Streit zu vermeiden bedeutet nicht, in unseren Grundsätzen nachzugeben. Es bedeutet, dass wir unsere Überzeugungen verteidigen möchten, ohne den Umgang mit der Familie in einen Kampf zu verwandeln.
Außerdem sollten wir uns selbst dann, wenn es keinen offenen Widerstand gibt, fragen, welcher Einfluss unsere Entscheidungen stärker bestimmt. Die Meinung unserer Angehörigen oder das, was Jehova möchte? Das Material erinnert uns an Jesu Lehre aus Matthäus 10:37: Unsere Liebe zur Familie darf unsere Loyalität ihm gegenüber nicht verdrängen. Diese Priorität beizubehalten verlangt nicht, kalt oder distanziert zu sein. Es verlangt, im Voraus zu entscheiden, dass der Wunsch, anderen zu gefallen, niemals wichtiger sein wird als der Wunsch, Jehova zu gefallen.
Vor dem nächsten schwierigen Gespräch könnten wir darüber nachdenken: Wie kann ich meine Zuneigung zeigen, ohne meine Überzeugungen aufzugeben? Was kann ich tun, damit ich keinen Streit schüre? Unsere freundliche Standhaftigkeit kann einem Angehörigen helfen, besser zu verstehen, was es bedeutet, Jehova zu dienen. Wir können nicht garantieren, dass er sich ändert, aber wir sollten ihn auch nicht als hoffnungslosen Fall betrachten. Wie die Beispiele von Zelek, Jitma und Ruth zeigen, kann sich jemand, der unsere Anbetung nicht teilt, uns noch anschließen.
Lernen wir also daraus, wie die Israeliten mit anderen Nationen umgingen. Familienbande dürfen uns nicht dazu bringen, unvorsichtig zu werden, aber Schwierigkeiten dürfen uns auch nicht die Zuneigung oder die Hoffnung nehmen. Setzen wir Jehova an die erste Stelle, vermeiden wir Streit und behandeln wir jeden Angehörigen als jemanden, der noch Liebe zu Jehova entwickeln kann. So zeigen wir, dass Loyalität gegenüber Jehova und Liebe zur Familie miteinander vereinbar sind.
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